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Aerospacemärkte Québec/Kanada

bavAIRia Informationsveranstaltung:
Enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und Québec bietet Chancen

Seit 20 Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen der kanadischen Provinz Québec und Bayern. Im wirtschaftlichen und im kulturellen Bereich. Welche Möglichkeit es speziell für die Unternehmen der Luftfahrtindustrie in Québec gibt, wurde im Rahmen einer Veranstaltung von bavAIRia, dem bayerischen Wirtschaftsministerium in München und der Vertretung des Freistaats Bayern in Québec vorgestellt. Nicht nur über die hohe Bedeutung der Aerospace-Industrie im Großraum Montréal wurde informiert, sondern mit ausführlichen Erfahrungsberichten bekamen die interessierten Zuhörer auch praktische Tipps für eine Aufnahme von geschäftlichen Aktivitäten in Kanada.

"Zwischen Bayern und Québec liegen zwar 6000 km, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten: ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein, starken Gestaltungswillen, der sich auch in einem Wandel von der landwirtschaftlichen Orientierung hin zu Hochtechnologie wie der Luftfahrt ausdrückt." Die Staatssekretärin im bayerischen Wirtschaftsministerium, Katia Hesse, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer an der Informationsveranstaltung mit dem Titel "Aerospacemärkte in Québec, Kanada - Chancen und Herausforderungen für bayerische Unternehmen." In den 20 Jahren der engen Zusammenarbeit wurden mehr als 400 gemeinsame Projekte verwirklicht, berichtete die Staatssekretärin und unterstrich den Willen der bayerischen Staatsregierung, die intensive Zusammenarbeit auszubauen. Deshalb wird es auch im Herbst 2010 die nächste Delegationsreise nach Kanada geben. "Nachdem der weltweite Konsolidierungsprozess in der Luftfahrtindustrie anhält, müssen wir unsere Position ausbauen und ich bin überzeugt, dass Firmen aus Bayern in Québec gute Chancen haben werden," unterstrich Hesse. Felix Esser von bavAIRia ergänzte, dass die enge Partnerschaft zwischen Bayern und Québec durch anhaltende Bemühungen mit Leben gefüllt werden müsse, und so sollte die Veranstaltung mit ihren Erfahrungsberichten auch die Chancen aufzeigen, die es für Unternehmen in Kanada gäbe.

Den Luft und Raumfahrtmarkt in Kanada im Allgemeinen und in Québec im Speziellen stellte dann Frederic Arsenault von der Vertretung des Freistaates Bayern in Montréal vor. Über 400 Firmen mit mehr als 80.000 Mitarbeitern arbeiten im Bereich der Luftfahrt. Der Inlandsmarkt sei zwar übersichtlich, doch allein fünf anstehende große Militärprogramme mit einem Beschaffungsvolumen von über 10 Milliarden kanadischen Dollar, von der Beschaffung von C130 bis hin zum Ersatz der jetzigen 65 Kampfflugzeuge CF-18, verspreche interessante Aufträge. Besonders wichtig sei zu beachten, dass von Kanada aus im Rahmen der gemeinsamen Freihandelszone NAFTA alle Geschäfte mit den USA gut abgewickelt werden könnten.

Innerhalb von Kanada, so erklärte Arsenault, gibt es einen einzigen Luftfahrtschwerpunkt in der Provinz Québec, in der rund 240 Unternehmen 60 % der gesamten Luftfahrtproduktion abdeckten. Auch 70 % der kanadischen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen würden dort stattfinden. Innerhalb der Provinz konzentriert sich die Luft- und Raumfahrtindustrie auf dem Großraum Montréal. Diese Regierung sei eine der wenigen weltweit, in der ein komplettes Flugzeug entwickelt und produziert werden könne. Damit sei Montréal eines der drei führenden Aerospace-Cluster in der Welt. In 2008 wurde zwischen dem Cluster Montréal und Bayern die Absichtserklärung über engere Zusammenarbeit unterzeichnet, beispielsweise um bei einem neuen, effizienteren Flugzeug mit weniger Emissionen zusammenzuarbeiten. Für Unternehmen, die in dieser Region kommen wollten, seien vielfache Geschäftsmöglichkeiten in der Luftfahrtindustrie identifiziert worden, von der Struktur über Innenausstattung bis zur Avionik. Arsenault fasste zusammen: "Die Region Québec bietet dank ihres guten Zugangs zu den USA eine interessante Marktgröße und auch ein großes Marktpotential. Ein breites Netzwerk steht zur Verfügung, um interessierte Unternehmen aus Bayern zu unterstützen, dort aktiv zu werden."
Über die Erfahrungen mit dem Aufbau einer Unternehmensvertretung in Montréal berichtete Otto Kellenberger vom Augsburger Roboterhersteller KUKA Robotics. Sein Unternehmen hat in Kanada eine enge Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut NRC aufgebaut, in dessen Rahmen die Einführung der Robotik in die Flugzeugfertigung untersucht und realisiert wurde. Gemeinsam habe man in Kanada erkannt, dass der Einsatz von Fertigungsrobotern beispielsweise beim Bau von Flugzeugstrukturen, sowohl zu einer Kostenersparnis also zu einer Qualitätsverbesserung führen könne. "Die Region bietet ein großes Potenzial für alle europäischen Unternehmen, es gibt großes Interesse und hohe Kompetenz in den Luftfahrt- Themen. Meine Empfehlung wäre es, den richtigen Partner für den Eintritt zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen. Wir setzen unsere erfolgreiche Zusammenarbeit fort und sind dabei, für die C-Serie Arbeitspakete anzubieten."
Auch der Ingenieurdienstleister P3 hat ein eigenes Unternehmen in Kanada aufgebaut und über die Erfahrungen dabei sprach Tobias Geißinger. Aus dem Leistungsangebot seines Unternehmens soll die kanadische Vertretung Angebote für Dienstleistungen in den Bereichen Konstruktion, Analyse und Simulation sowie durch technische Dokumentationen machen. "Der Markt in Québec ist überaus attraktiv und vom Arbeitsumfeld hier zeigt sich eine deutliche kulturelle Nähe zu Europa," berichtete Geißinger. "Es gibt ein enges Netzwerk der Entscheidungsträger innerhalb der Luftfahrtindustrie, dem man sich rasch annähern muss." Geißinger legt der interessierten Unternehmen nahe, möglichst viel örtliche Unterstützung zu nutzen, wenn man ein Unternehmen aufbauen wolle, von der Beratung in Steuerfragen bis hin zur Anmietung von komplett möblierten, teilweise mit Personal ausgestatteten Büroräumen. Sein Unternehmen habe jetzt über 20 Mitarbeiter in Kanada im Einsatz und arbeite für namhafte Unternehmen wie Bombardier und Bell.

Den umgekehrten Blick auf den Weltmarkt schon auf Europa aus kanadischer Sicht nahm der Vertreter von Bombardier, Cornel Hehn, vor. Er stellte ausführlich sein Unternehmen in den zwei Geschäftsbereichen Transport und Luftfahrt vor und berichtete detailliert über die aktuellen Flugzeugprogramme im Bereich der Regional- und Geschäftsreiseflugzeuge. "Vor allem mit der C-Serie, der CRJ 1000 und dem Learjet 85 investiert Bombardier in die Zukunft," berichtete Hehn. "Bombardier wendet viele Mittel für Forschung und Entwicklung auf, um neue Technologien zu entwickeln und ein innovatives Design für die Flugzeuge verfügbar zu haben. Das Unternehmensmotto ist, optimierte Lösungen für jetzt und für die Zukunft verfügbar zu haben."
Die kanadische wissenschaftliche Landschaft beleuchtete abschließend Nicole Mercier von der Ecole nationale d'aéronautique (ENA). Ihre Einrichtung bietet rund 1300 Studenten eine wissenschaftliche Ausbildung und hat dazu auch 28 Flugzeuge Hubschrauber, fünf Hangar und 35 Werkstätten zur Verfügung. Mercier fasste zusammen: "Die Luftfahrtindustrie in Québec ist aufgestellt wie die in Bayern."

Nach einer Fragerunde zu unterschiedlichen Aspekten für Unternehmen, die sich auf den Weg nach Québec machen wollen, fasste Felix Esser die Veranstaltungen mit der Bewertung zusammen: "Die Partnerschaft von Bayern mit Québec bietet ein großes Zukunftspotenzial."

 

Die Texte folgender Vorträge stehen zum Download im PDF-Format auf der rechten Seite zur Verfügung: Bayer. Vertretung in Québec, KUKA-Aerospace, NRC-EADS-Forschungskooperation, P3-Group

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bavAIRia e.V.
T. +49 / 8105 / 272927-0

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ENA - école nationale d'aérotechnique